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Scott Erickson, MacBU Microsoft, im Interview

Viel Begeisterung Microsoft setzt auf Mac OS X. Wichtige Produkte der Microsoft-Strategie gibt es jedoch nicht für den Mac. Scott Erickson, Produkt Manager der Macintosh Business Unit bei Microsoft, schildert die Microsoft-Strategie im Gespräch mit MACup Chef-Redakteur Martin Stein.

MACup: Microsoft wirbt mit der .Net-Strategie (sprich: "Dot-Net"). Es wird immer wieder von Windows als der Server-Plattform gesprochen. Wo bleibt der Mac?
Scott Erickson: Wir werden auch zukünftig Mac-Produkte entwickeln und wollen den Mac in unsere .Net-Strategie einbinden. Wir haben begonnen, mit Apple zusammenzuarbeiten, um festzustellen, welche Pläne Apple hat.

MACup: Keine Ankündigungen?
Scott Erickson: Noch nicht. Wir arbeiten jetzt an der nächsten Version von Office. Einige Funktionen von .Net wird man aber in der nächsten Version des MSN Messengers sehen. Die Software verwendet .Net-Alerts wie in der Windows-Version von Messenger.

MACup: Wer übernimmt die Initiative bei der Integration. Apple oder Microsoft? Oder etwa Corel?
Scott Erickson: Das ist eine gute Frage. Da es unsere Strategie ist und wir auch Anwendungen herstellen, kümmern wir uns zunächst darum. Aber wie bei der aktuellen Version von Office v. X brauchen wir Apples Hilfe. Bei .Net wird es genauso so sein.

MACup: Wann werden Mac-Anwender eine .Net-Anbindung in ihren Office-Produkten haben?
Scott Erickson: Der typische Entwicklungszyklus für ein großes Produkt-Update ist normalerweise 16 bis 18 Monate. Wir arbeiten an der nächsten Office-Version und Sie können sich an einer Hand abzählen, wann es soweit sein wird. Derzeit sind wir in einem sehr frühen Stadium und überarbeiten die Kernfunktionen von Office. Ich kann zwar nichts über Webservices im Detail sagen, kann mir aber vorstellen, dass Mac-Anwender sie im kommenden Jahr nutzen können.

MACup: In welcher Qualität? Denn Mac-Anwender sind besonders kritisch, wenn es um Microsoft geht.
Scott Erickson: Microsoft versucht eine eins-zu-eins Beziehung zwischen Entwicklern und Testingenieure zu halten. Als Entwickler geben wir den Code in das Verwaltungssystem ein und dort wird er sofort von der Testorganisation übernommen. Die testen den Code sofort und tragen Fehler in die Datenbank ein. Der Entwickler kann den Fehler sofort korrigieren. Nach dem Entwicklungsende beginnen weitere Testzyklen. Jeder Mitarbeiter des jeweiligen Produktteams nimmt daran teil. Dann gibt es noch für die Alpha- und Betazyklen verschiedene Benutzergruppen. Damit ermöglichen wir sehr robuste Software, auch für den Mac.

MACup: Wie eng sind die Beziehungen zwischen den Entwicklerteams für die Windows- und Mac-Plattform?
Scott Erickson: Sehr eng. Wir sprechen miteinander und tauschen Ideen aus. Die Windows-Produkte haben sehr gute Funktionen, die wir auch gerne übernehmen wollen sofern es Sinn macht. So gibt es etwa in Office XP die SmartTags. Das gibt es in der Mac-Version noch nicht.

MACup: Was sind SmartTags?
Scott Erickson: Stellen Sie sich vor, dass Sie beim Schreiben eines Briefes auf ein älteres Dokument verwiesen werden. Der SmartTag stellt eine Referenz dar, die hervorgehoben wird. Der Link kann verschiedene Verknüpfungen haben: Zu Dokumenten oder ins Internet. Oder, Sie geben einen Namen in Outlook ein und die Software stellt dies fest. Dann lassen sich Aktionen damit verbinden, etwa einen Kontakt in Exchange einzutragen.

MACup: Was interessiert die Windows-Entwickler?
Scott Erickson: Sie sind von der Quartz-Technologie in Mac OS X fasziniert. Als wir die Tranparenz in Excel-Diagrammen gezeigt haben, gab es viel Begeisterung.

MACup: Wie portiert man eine Funktion wie SmartTags?
Scott Erickson: Manche Codezeilen sind identisch, schon weil man etwa die gleichen Dateienformate verwendet. Die Mehrheit wird unabhängig davon entwickelt.

MACup: Bald auf einer Mac OS X Version von Visual C++?
Scott Erickson: Wir haben keine Pläne, die Entwicklungsumgebung auf Mac OS X zu portieren.

MACup: Spielt der Mac-Markt keine Rolle?
Scott Erickson: Doch, eine sehr wichtige sogar. Wir konzentrieren uns auf Office für Mac. Es ist nicht unser Ziel, den Mac-Marktanteil zu erhöhen. Wir haben gesagt, dass wir Mac OS X unterstützen werden und das gilt auch für die Zukunft. Besonders wichtig ist dabei die Kompatibilität der Datenformate über die verschiedenen Plattformen hinweg. In Apples jüngster Marketing-Kampagne Real People wird genau auf diesen Aspekt verwiesen.

MACup: Die Kampagne soll aber zu Lasten von Microsofts Windows-Markteinteil gehen.
Scott Erickson: Für mich als Mitarbeiter der Mac Business Unit ist das sicherlich ein seltsames Szenario. Apple ist beides: Unser größter Partner und möglicherweise unser größter Gegner. Sicherlich wird es jedoch Anwender geben, die auf Mac wechseln — und umgekehrt.

In der aktuellen MACup 8.2002, die seit Freitag (5. Juli 2002) erhältlich ist, lesen Sie außerdem ein Interview mit Eric Chien von Symantec zum Thema "Macs im Visier" – neue Bedrohungen für Mac-Anwender durch Mac OS X. Autor: ms

Weiterführende Informationen
Microsoft Mactopia

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